Warum gibt es Studierende, die durch die Corona-Krise in eine finanzielle Notlage geraten?

Studierende finanzieren ihr Leben aus unterschiedlichen Quellen. Manche erhalten BAföG, manche werden von ihren Eltern finanziell unterstützt, rund zwei Drittel der rund 2,9 Mio. Studierenden gehen einer Erwerbsarbeit nach. Die Nebenjobs dieser Studierenden sind meist nicht sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse, in denen sie kein Kurzarbeitergeld bekommen und sehr kurze Kündigungsfristen oder nur recht kurz befristete Verträge haben. Vollzeitstudierende, die ihre Nebenjobs verloren haben, haben im Allgemeinen keinen Zugang zum Arbeitslosengeld I oder II. Der Verlust eines Jobs bei der aktuellen Stellenlage, die sich durch die Corona-Krise in sehr vielen Bereichen massiv verschlechtert hat, trifft Studierende somit sehr hart. Entgegen landläufiger Annahme ist es nicht allen Studierenden möglich, einen der aktuell stark nachgefragten Jobs in systemrelevanten Branchen auszuüben, auch steht hier gegenwärtig eine Flut von Bewerbenden aus allen möglichen Teilen der Gesellschaft einer immer noch begrenzten Zahl an Stellen gegenüber. Studierende, die über Anträge von einem Amt Geld erhalten können, müssen die Zeit überbrücken, bis ihr Anspruch geklärt und ein Bescheid ergangen ist. Diejenigen, die einen neuen Job suchen müssen, benötigen ebenfalls Zeit, bis sie eine neue Stelle haben. Gegenwärtig hat nicht jede*r Studierende die Möglichkeit, eine Lücke von mehreren Monaten finanziell zu überbrücken. Da Studierende jedoch sehr oft von der Hand in den Mund leben müssen, haben sie meist kaum Rücklagen, auf die sie jetzt zurückgreifen können. Außerdem gibt es auch Studierende in recht komplexen Problemsituationen, die aus gesundheitlichen, privaten oder sozialen Gründen selbst mit Anträgen bei irgendwelchen Ämtern in absehbarer Zeit keine Lösung finden können. Für alle diese Fälle hat die Politik noch keine Sofortmaßnahme zur schnellen und unbürokratischen Unterstützung entwickelt, während für viele Unternehmen und ihre Beschäftigten bereits milliardenschwere Hilfsprogramm aufgelegt wurden.

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